Lisa Palmes
© Privat (ZVG)
Lothar Quinkenstein
© Grzegorz Lityński
Olga Tokarczuk
© Jana Karpienko
Olga Mannheimer
© Marin (2023)
1. Usedomer Übersetzerpreis

„Usedomer Übersetzerpreis 2026 - Preisverleihung mit Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk“

18
SaApr
17:00 Uhr
📍
Swinemünde / Świnoujście
Świnoujście, Polen
✍️
AutorLisa Palmes, Lothar Quinkenstein, Olga Tokarczuk
🎤
ModerationOlga Mannheimer

Zwischen Ostseehimmel und Stadtlichtern spannt sich ein literarischer Bogen, wenn Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk mit einem Essay Bolesław Prus’ Roman neu erfahrbar macht und zugleich die herausragende Übersetzungsarbeit der Preisträger ins Licht rückt. Im Mittelpunkt steht die Verleihung des 1. Usedomer Übersetzerpreises an Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Ihre gemeinsame Arbeit hat auf beispielhafte Weise dazu beigetragen, Literatur über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg lebendig werden zu lassen. Besonders ihre feinsinnige Übertragung von Prus’ „Die Puppe“ verdeutlicht, wie Übersetzen als schöpferische Ko-Autorschaft wirken kann – als Brücke zwischen Welten und Zeiten. Mit der Auszeichnung wird ihr langjähriges Engagement für die lebendige Vermittlung polnischer Literatur im deutschsprachigen Raum geehrt.

Lisa Palmes

Lisa Palmes wurde in Münster geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung in Wien und arbeitete einige Jahre als Friseurin. Seit 25 Jahren lebt sie in Berlin, wo sie Polonistik und Germanistik studierte. Seit 2008 übersetzt sie polnische Literatur – vor allem Romane – ins Deutsche. Gemeinsam mit der deutsch-polnischen Buchhandlung Buchbund in Berlin organisiert sie Gesprächsreihen mit polnischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Außerdem schreibt sie Wörterbucheinträge für das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Zu ihren bekannten Übersetzungen gehören Olga Tokarczuks „Die Jakobsbücher“ (mit Lothar Quinkenstein), Joanna Bators „Dunkel, fast Nacht“ und „Bitternis“ sowie Zyta Rudzkas „Lachen kann, wer Zähne hat“.

Lothar Quinkenstein

Lothar Quinkenstein, geboren 1967 in Bayreuth, ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Literaturwissenschaftler, der sich intensiv mit deutsch-polnischen Themen und Erinnerungskultur auseinandersetzt. Nach dem Studium der Germanistik und Ethnologie in Freiburg promovierte er 1999 an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań und war bis 2024 am dortigen Institut für Germanische Philologie tätig. Seit 2012 lehrte er Interkulturelle Germanistik am Collegium Polonicum in Słubice (in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Viadrina). Er lebte von 1994 bis 2011 in Polen und wohnt heute in Berlin. Sein Debüt war der Erzählband „Nervenharfe“ (1998), es folgten „Beim Stimmen der Saiten“ (Gedichte, 2007), „Tellurium“ (Roman, 2013), „gegenort“ (Gedichte, 2013), „Souterrain“ (Roman, 2019) und „Wiesenzeit“ (Erzählung, 2020). Als Übersetzer machte er polnische Literatur einem deutschsprachigen Publikum zugänglich, darunter Olga Tokarczuks „Die Jakobsbücher“ (mit Lisa Palmes), „Die grünen Kinder“ (2020), „Übungen im Fremdsein“ (2021) sowie Bogdan Wojdowskis „Brot für die Toten“ (2020). Er erhielt u. a. den Jabłonowski-Preis (2017) der Societas Jabłonoviana, Stipendien in Kraków und Wiepersdorf sowie den „Spiegelungen“-Preis.

Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk (*1962) ist eine der bedeutendsten polnischen Schriftstellerinnen sowie Trägerin des Literaturnobelpreises (2019, für 2018). Bekannt ist sie für ihren magisch-realistischen Stil, in dem sie Geschichte, Mythen und psychologische Themen zu poetischen Erzählwelten verbindet. Geboren in Sulechów, Polen, studierte sie Psychologie an der Universität Warschau und arbeitete zunächst als Psychotherapeutin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Ihren Durchbruch erreichte sie 1996 mit dem Roman „Ur und andere Zeiten“. Es folgten Werke wie „Unrast“ (2007), „Der Gesang der Fledermäuse“ (2009) und „Die Jakobsbücher“ (2014). Für „Unrast“ wurde sie 2018 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet. Tokarczuks Werk besticht durch märchenhafte und philosophische Töne und spiegelt ihre humanistische Haltung sowie ihr Engagement für Umwelt-, Tier- und Frauenrechte wider.

Olga Mannheimer

Olga Mannheimer ist eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin polnisch-jüdischer Herkunft, die vor allem durch ihre Werke zur jüdischen Literatur und zu Themen der Migration sowie osteuropäischen Geschichte bekannt ist. Geboren 1959 in Warschau als Tochter eines Lemberger Juden und einer Kosakin, die beide den Gulag überlebten, emigrierte sie 1969 nach Frankreich in ein jüdisches Internat und lebt seit 1972 in München, wo sie Romanistik und Slawistik studierte. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als Dolmetscherin, Übersetzerin und Lektorin, bevor sie sich als Journalistin, interkulturelle Trainerin und Autorin etablierte – eine Biografie, die von multilingualer Vielschichtigkeit und kulturellem Brückenbau geprägt ist, wie sie selbst in Interviews betonte, etwa wenn sie von ihrer fehlenden „Muttersprache“ spricht. Zu ihren literarischen Werken zählen Anthologien wie „Träume sind frei“ (1992) und „Frauen in Polen“ (1994), Romane wie „Nur wenn ich lache“ (2008), eine Sammlung neuer jüdischer Geschichten, sowie „Blau Weiß Rot“ (2017); sie war zudem an zeitgenössischen Projekten beteiligt, darunter die Anthologie „Wir schon wieder“ (2024), die jüdische Perspektiven vielfältig beleuchtet.

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