Durs Grünbein
© Tineke de Lange / Suhrkamp Verlag
Manfred Osten
© Geert Maciejewski

„Im Angesicht des Kometen – Durs Grünbein im Gespräch“

Im Kosmos von Durs Grünbein werden Geschichte und Gegenwart zu Gesprächspartnern. Sein 2023 erschienener Roman „Der Komet” zieht eine leuchtende Bahn zu den großen Erschütterungen unserer Zeit – den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten – und den Fragen nach Schuld, Schicksal und dem Überleben der Zivilisation. Der Roman erzählt das Leben seiner Großmutter Dora: aus ärmlichen schlesischen Verhältnissen nach Dresden gezogen, ein bescheidenes Glück im Schatten des NS-Regimes, bis der Feuersturm am 13. Februar 1945 alles zerstört – ein Kometeneinschlag aus dem Himmel, der das scheinbar Ewige zermalmt. Grünbein verwebt diese Biografie mit poetischer Präzision, philosophischer Tiefe und der Warnung vor Katastrophen, die von fern kommen und alles verändern – ein Echo in den Kriegen von heute.

Vor diesem Hintergrund spricht der Kulturhistoriker Manfred Osten mit Durs Grünbein über den Roman im Angesicht eines Schlafs der Vernunft – große, klare Sätze über Krieg, Erinnerung und Sprache.

Durs Grünbein

Durs Grünbein wurde am 9. Oktober 1962 in Dresden geboren. Er ist einer der bedeutendsten und auch international wirkmächtigsten deutschen Dichter und Essayisten. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er eine Vielzahl von Preisen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Friedrich-Nietzsche-Preis, den Friedrich-Hölderlin-Preis, den polnischen Zbigniew Herbert International Literary Award sowie den Premio Internazionale NordSud der Fondazione Pescarabruzzo. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er lebt in Berlin und Rom.

Manfred Osten

Dr. hc. mult. Manfred Osten wurde 1938 in Ludwigslust in Mecklenburg geboren. Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1952 studierte er von 1959 bis 1964 Rechtswissenschaften, Philosophie, Musikwissenschaft und Literatur in Hamburg und München. 1969 promovierte er mit einer Arbeit über den Naturrechtsbegriff in den Frühschriften Friedrich Schellings. Im selben Jahr trat er in den Auswärtigen Dienst ein, der ihn zu vielfältigen diplomatischen Stationen in Frankreich, Kamerun, Tschad, Ungarn, Australien und Japan führte. 1993 übernahm er die Leitung des Osteuropa-Referats im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, bevor er von 1995 bis 2004 das Amt des Generalsekretärs der Alexander von Humboldt-Stiftung bekleidete. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen die Goethe-Forschung, die Musikwissenschaft des 19. Jahrhunderts sowie die europäische und asiatische Kulturgeschichte. Zu seinen wichtigsten Buchveröffentlichungen gehören unter anderem „Die Welt, ein großes Hospital" – Goethe und die Erziehung des Menschen zum »humanen Krankenwärter« (Wallstein Verlag, 2021), „Gedenke zu leben! Wage es, glücklich zu sein!" oder Goethe und das Glück (Wallstein Verlag, 2017), „Alles veloziferisch" oder Goethes Entdeckung der Langsamkeit (Insel Verlag, 2013), „Die Kunst, Fehler zu machen" (Suhrkamp, 2006), „Das geraubte Gedächtnis" (Insel Verlag, 2004), „Die Erotik des Pfirsichs" (Suhrkamp, 1996) sowie der von ihm herausgegebene Band „Alexander von Humboldt: Über die Freiheit des Menschen auf der Suche nach Wahrheit" (Insel-Suhrkamp, 1999). Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Dr. Osten auch musikalisch aktiv: Von 1981 bis 1983 wirkte er als Tutti-Bratschist im Melbourne Symphony Orchestra und in der Victorian State Opera in Australien mit. Gastprofessuren führte ihn an die Universitäten Graz und Pécs, wo er zu „Goethe und der Moderne" lehrte. Darüber hinaus hält er regelmäßig Lesungen und Vorträge im In- und Ausland und trat in Podiumsgesprächen unter anderem mit Peter Sloterdijk, Rüdiger Safranski, Martin Walser, Adolf Muschg, Christoph Schlingensief, Horst Bredekamp, Dietrich Fischer-Dieskau, Hans Magnus Enzensberger, Peter Stein, Richard von Weizsäcker, Joachim Kaiser, Bernhard Bueb, Durs Grünbein, Martin Mosebach, Walter Kempowski, Wolf Singer, Jewgeni Jewtuschenko und Alfred Brendel auf.

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