„Gestern war schon schräg – und morgen wird's noch schöner!“
Seebad Zinnowitz
Im Universum von Thomas Kapielski können Bahnhöfe hinter der Oder zu Bühnen für Kotfliegen, Kontrollen und Gedankengänge werden, die zwischen Visastempel, Bürokratendeutsch und Reiseproviant oszillieren. Bei ihm wird das Absurde verblüffend selbstverständlich, das Schräge alltäglich und osteuropäische Zugabteile verwandeln sich in rollende Beichtstühle.
Seit Jahrzehnten arbeitet der Autor, Kritiker, Bildkünstler und Musiker an einem Werk zwischen „Weltweisheit und Weltdoofheit" (Funke), durchzogen von Reisen Richtung Osten, Grenzbahnhöfen und Transitmomenten. Seine Prosa ist eine Kunst des Nebeneinanders: Essayfragmente, Tagebuchsplitter, Fiktionen – alles fügt sich zu collageartigen Textflächen, in denen Retrogesten, Alltagsreste und Behördengrotesken eine eigene, melancholisch-komische Weltlogik entfalten.
Wer erfahren möchte, wie das klingt, sollte sich diese Lesung nicht entgehen lassen: Thomas Kapielski liest in Seebad Zinnowitz aus seinen Romanen – Texte, die so scharf beobachten wie liebevoll übertreiben und darin einen unverwechselbaren Ton treffen.
Thomas Kapielski
Thomas Kapielski, 1951 in Berlin geboren, ist ein deutscher Schriftsteller, Musiker und bildender Künstler. 2010 wurde er mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet, 2011 erhielt er den Kasseler Preis für grotesken Humor. In den folgenden Jahren kamen weitere Ehrungen hinzu, darunter der Ochsenband-Orden der Stadt Husum im Jahr 2012, eine Nominierung für den Bayerischen Buchpreis 2014 sowie der Sondermann-Preis für Komische Kunst 2016. Zu seinen Veröffentlichungen zählt unter anderem der Roman „Kotmörtel. Roman eines Schwadronörs“ (edition suhrkamp, es 2759), der seine Vorliebe für grotesken Witz, Abschweifungen und sprachliche Spielfreude exemplarisch vorführt.