Karpatengrüße nach Usedom

von Jan Koneffke

„Wir kommen ja nicht aus der Walachei“, sagt Mathilde, die Dienstmagd der Familie Kannmacher, in meinem Pommern-Roman: Eine nie vergessene Geschichte. Wo die Walachei liegt, weiß sie zwar nicht, aber dass dort Unordnung herrscht, glaubt sie zu wissen.

Nun: meine erste, zweite oder dritte Wahl-Heimat ist die Walachei. Und nach den ersten vier Wochen Ausnahmezustand haben wir uns aus der walachischen Metropole Bukarest in die Berge, an den südlichen Rand der Karpaten, zurückgezogen. Hier besitzen wir ein kleines Landhaus und einen großen Garten. Hier können wir das Virus in aller Ruhe und (meistens) in der Sonne aussitzen. Und hier ist die Natur so „unordentlich“, wie es sich natürlicherweise ergibt.

Zwischen Nachtigallengesang und den Morsezeichen des rotgeschwänzten Balkanspechts treibe ich mich ohnehin in anderen Welten herum: In den vergangen Monaten habe ich die Endredaktion meines Romans Die Tsantsa-Memoiren vorgenommen. Die Geschichte spielt zwischen 1780 bis in die Gegenwart in vielen südamerikanischen und europäischen Städten und Gegenden. So habe ich von Corona kaum etwas mitbekommen … Denn gegen ein so dummes wie gefährliches Virus, das auf absehbare Zeit zum zu Hause bleiben zwingt, ist das wirksamste Gegenmittel: die menschliche Fantasie