05.12.2020 19:30 Uhr

Die jüngste deutsche Literaturnobelpreisträgerin im Rampenlicht: Herta Müller liest aus ihrem Werk

Samstag, 5. Dezember 2020, 19:30 Uhr, Tourismusservicezentrum, Seebad Heringsdorf (Delbrückstraße 69, 17419 Seebad Heringsdorf)

Moderierte Lesung mit Manfred Osten

Das Werk von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller ist hochaktuell, denn es lässt sich auch als Mahnung lesen, der Wiederkehr autoritärer Versuchungen und Gewalttaten zu widerstehen. Sie fordert uns, nicht erst seit ihren großen Erfolgen Atemschaukel und Mein Vaterland war ein Apfelkern sprachlich virtuos auf, nicht zu vergessen und erschütterbar zu bleiben. Und entdeckt in ihren berühmten Collagen neue Wege literarischen Ausdrucks, indem sie mit Schere und Papier dichtet. Unversehens taucht so im geklebten Gedicht das auf, worum es eigentlich geht: die Wirklichkeit – denn „vielleicht haben auch Wörter ein schimmerndes Gemüt und betreiben Amtsmissbrauch…“

Herta Müller wurde 1953 in Nitzkydorf in Rumänien geboren. 1973 bis 76 studierte sie deutsche und rumänische Philologie in Temeswar. Nach dem Studium arbeitet sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Ihr erstes Buch Niederun-gen lag danach vier Jahre beim Verlag und wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. 1984 erschien es in der Originalfassung in Deutschland. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurch-suchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 kam Herta Müller nach Deutschland. 1989-2001 hatte sie Gastprofessuren an Universitäten in England, Amerika, Deutschland und der Schweiz, seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Aka-demie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. 2004 erhielt sie den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Herta Müller wurde 2009 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.