Das Programm

SA, 17. April 2021
12 Uhr, Tourismus-Service-Zentrum
Seebad Heringsdorf

Es moderiert Andreas Kossert.

this is a placeholder image
Georgi Gospodinov – Foto: Dafinka Stoilova

Georgi Gospodinov erschafft in seinen Meisterwerken melancholische Welten, die wie oft bei Melancholikern amüsieren und überraschen. Der Usedomer Literaturpreisträger 2021 vollbringe in seinem Schaffen das Kunststück Fragmente zu „einer derüberzeugendsten Visionen der zeitgenossischen Literatur zusammenzufügen“, rühmt unsere Literaturpreisjury den Autor. Sei es sein Roman „Physik der Schwermut“ oder sein „Natürlicher Roman“, Gospodinov kreiert mitreißende Literatur, die uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt, getreu dem Motto: Wenn sich das Leben schon nicht ändern lässt, dann doch wenigstens der Lauf der Dinge. Nach einer Laudatio von Jury-Mitglied Dr. Andreas Kossert entführt der Geehrte auch mit einer Lesung in seine faszinierenden literarischen Welten.

Über den Autor

Georgi Gospodinov

Georgi Gospodinov, 1968 in Bulgarien geboren, ist der Autor von „Natürlicher Roman“ und „Physik der Schwermut“, Gewinner des Mitteleuropäischen Angelus-Preises (2019) und des Jan-Michalski-Preises (2016), Finalist für den Berliner Brucke-Preis, den PEN American Translation Prize u. a. Seine Bücher sind in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Sein Roman „Physik der Schwermut“ wurde in Europa und in den USA vielfach rezensiert, u. a. von The New Yorker, Le Monde, Die Welt, NZZ. „Ein teuflisches Buch… Die Physik der Schwermut sollte sofort gelesen werden“, schrieb der Philosoph Jean-Luc Nancy in Liberation. In The New Yorker heißt es: „Georgis eigentliche Suche in ‚Physik der Schwermut‘ ist es, einen Weg zu finden, mit der Traurigkeit zu leben, sie als Quelle der Empathie und des heilsamen Zögerns zuzulassen…“. „Blind Vaysha“, ein kurzer Animationsfilm, der auf einer Kurzgeschichte von Gospodinov basiert (Regie: Theodore Ushev; ARTE und NFB Canada), war für den Academy Award 2017 nominiert. Gospodinov ist außerdem Autor von 15 Gedichtbüchern, Belletristik und Sachbüchern, Theaterstücken, einer Graphic Novel, einem Libretto für Space Opera (2015, Poznan), Drehbüchern für kurze Spielfilme, zwei Social-Video-Projekten „The Slap Factory“ und „Future Cancelled“ sowie einigen Projekten, die sich mit der Erinnerung an die jüngste Vergangenheit, dem Alltag und ideologischen Traumata beschäftigen. Er wurde mit dem Cullman Fellowship an der New York Public Library (2017/2018) und einem Stipendium an der WiKo Berlin (2019/2020) ausgezeichnet. Sein neuer Roman „Time Shelter“ erschien im Frühjahr 2020 während des ersten Lockdowns.

„Ein Autor, der sich derart romantisch-kapriziös über die Niederungen von Roman-Kommerz und -Konvention erhebt, rettet nicht nur sich selbst, sondern auch die Literatur und mit ihr die ganze Welt.“ (Andreas Breitenstein, NZZ).

Jurybegründung

Die Jury des Usedomer Literaturpreises (Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, Dr. mult. Manfred Osten, Dr. Andreas Kossert): „Georgi Gospodinov ist eine bedeutende und einzigartige Stimme der europäischen Literatur. Sein Werk – fragmentarisch, voller Melancholie und Eindringlichkeit – schöpft aus den besten Traditionen mitteleuropäischer Prosa mit ihrem unbändigen Bedürfnis, aufeinanderfolgende Schichten menschlicher Erfahrung aufzudecken. Seine Art zu Schreiben konzentriert sich auf die Sprache als das vollkommenste Werkzeug der Erkenntnis, auf das Flüchtige und Ephemere. Der Autor überschreitet souverän die Grenzen akzeptierter Konventionen und schaff t komplexe, vollständige Erzählungen, die sich nicht bestimmten Genres und Strömungen zuordnen lassen. Stellvertretend für Gospodinovs Gesamtwerk steht der „Natürliche Roman“: fragmentiert, aber gleichzeitig erstaunlich kohärent, weil die Fragmente nicht zu Episoden werden, sondern sich zu einer der überzeugendsten Visionen der zeitgenössischen Literatur zusammenfügen.“

Die Jury

Olga Tokaczuk

Olga Tokarczuk wurde 1962 in Sulechow geboren und studierte Psychologie in Warschau. Sie gilt als eine der interessantesten polnischen Autorinnen. Ihre Bücher sind bei Kritik wie Lesern gleichermaßen erfolgreich. Ihr Romandebüt Prodroz ludzi ksiegi (Die Reise der Buchmenschen) erschien 1993 und wurde von der Gesellschaft der polnischen Buchverlage als bestes Prosadebüt der Jahre 1992 und 1993 ausgezeichnet. 1995 erschien der Roman E.E. Für ihren dritten Roman Ur und andere Zeiten (Prawiek i inne czasy) erhielt Olga Tokarczuk den Nike Preis. 2019 wurde Olga Tokarczuk mit dem Literaturnobelpreis für das Jahr 2018 ausgezeichnet.

Manfred Osten

Dr. mult. Manfred Osten geboren 1938 in Ludwigslust, studierte Rechtswissenschaften, Philosophie, Musikwissenschaft und Literatur in Hamburg und München. Nach der Promotion trat er in den Auswärtigen Dienst mit Stationen in Kamerun, Tschad, Ungarn, Australien und Japan ein. 1993 wurde er Leiter des Osteuropa-Referats der Bundesregierung. Von 1995 bis 2004 war er als Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Bonn tätig. Manfred Osten ist Autor zahlreicher Publikationen und führte zweiundvierzig Fernsehgespräche mit Alexander Kluge.

Andreas Kossert

Andreas Kossert, geboren 1970, ist promovierter Historiker und ausgewiesener Kenner des östlichen Mitteleuropa. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter Masuren, Ostpreußen sowie der Bestseller “Kalte Heimat”. Für seine Arbeit wurde ihm der Georg Dehio-Buchpreis verliehen. Er lebt als Historiker und Autor in Berlin. Seit ihrer Gründung 2009 begleitet Andreas Kossert die Usedomer Literaturtage, seit 2012 auch als Jurymitglied für den Usedomer Literaturpreis. 2020 erhielt er für sein jüngstes Buch “Flucht. Eine Menschheitsgeschichte” den NDR Sachbuchpreis. 2021 wurde er für das gleiche Werk für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert.

Unser Gesamtprogrammheft 2021

Informationen zum Livestream

Bis auf Weiteres werden alle Veranstaltungen zur angegebenen Zeit im kostenfreien Livestream auf dem YouTube-Kanal der Usedomer Literaturtage angeboten.

Hier geht’s zum YouTube-Kanal

Veranstaltungsort

Das Tourismus-Service-Zentrum verwandelt sich mit den Usedomer Literaturtagen auch 2021 wieder in ein Fernsehstudio, das Sternstunden der Literatur von der Insel Usedom in das weltweite Netz streamt. Zu den Usedomer Literaturtagen traten hier bereits Hochkaräter, wie Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, der Musikschriftsteller und Dirigent Peter Gülke, der Historiker Andreas Kossert oder der Usedomer Literaturpreisträger 2020 Saša Stanišić auf.

Das zwischen 1874 und 1884 errichtete ehemalige Verwaltungsgebäude der „Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf“ auf der Insel Usedom diente in den vergangenen Jahrzenten als Bibliothek, Jugendclub und Bürgertreff. Das denkmalgeschützte Kerngebäude wurde saniert, die Bibliotheksnutzung erhalten und eine moderne Tourist-Information ergänzt. Durch den gläsernen Anbau wird die Bedeutung des Gebäudes als Informationszentrum hervorgehoben, ohne die Eingliederung in die Umgebung zu vernachlässigen.

Delbrückstraße 69, 17424 Seebad Heringsdorf

Anfahrtsskizze